ARCHIBALD ist mit dem Zug unterwegs durch seine Heimat, um dem Phänomen der regionalen Architektur auf den Grund zu gehen. Auf den Nachbarplätzen im Zug sitzen zwei Frauen. „Hast du gesehen, die Gerti hat einen neuen Wintergarten gekriegt?“, fragt eine der Frauen die andere neben ihr. „Ja, des schaut grauslich aus! Passt überhaupt nicht zum Rest“, entgegnet die andere Frau. „Ja, was die sich immer einbildet. Ständig baut sie das Haus um, ich glaub die hat was mit dem Architekten“, mutmaßt die Frau. „Meinst du? Oder weißt du?“, fragt die andere und murmelt: „Naja, bei dem Hias, da würde ich mir auch einen anderen suchen, so grantig wie der ist. Verstehen könnt ich’s schon“. ARCHIBALD ist amüsiert. Er kennt das Phänomen der Geschwätzigkeit nur allzu gut.
„Entschuldigen Sie, was ist denn so schrecklich an diesem Wintergarten?“, mischt er sich mutig in Klatsch und Tratsch der Damen ein. Die schauen ihn zunächst sehr verdutzt an und runzeln die Stirn. Weil keine etwas sagt, hakt er noch mal nach: „Wissen Sie, ich versuche herauszufinden, was Heimat in der Architektur ist, ich will wissen, warum man in bestimmten Regionen eine bestimmte Bauweise hat und ich will wissen, was diese Bauweise ausmacht.“ „Aha“, sagt die eine Frau, „Ja und Sie glauben, dass wir des wissen?“ Beide schauen ihn nun noch verdutzter an. „Sie müssen schon entschuldigen, ich habe Ihrem Gespräch gelauscht und sie sagten, da hätte jemand einen neuen Wintergarten und der passe nicht zum Haus“, erklärt ARCHIBALD.
„Mit dem Architekten hat sie was!“, ruft die andere empört. „Deshalb muss immer herumgewerkelt werden. Da passt überhaupt nichts mehr! Erst einen ‚Kapott’, oder so, dann ein neuer Balkon, braucht sie eh nicht, hat ja eine Terrasse und jetzt noch ein Wintergarten. Viel zu viel. Schaut alles anders aus. Nichts passt zusammen!“, regt sie sich weiter auf. „Warum wollen Sie das alles wissen? Kennen sie die Gerti?“, fragt die Frau noch immer verwundert. „Nein, ich kenne sie nicht. Ich suche nach dem Grund, warum man in bestimmten Regionen, so baut, wie man baut, und warum das jetzt wieder im Trend liegt“, beruhigt sie ARCHIBALD.
„Sind Sie der Architekt?“, fragt die andere misstrauisch. „Nein, ich werde mal Architekt, wenn alles gut geht. Im Moment studiere ich noch.“ „Aha sind sie also auf Studienreise sozusagen?“, fragt die Frau wieder und scheint langsam zu verstehen. Studienreise ist wohl wirklich der richtige Ausdruck, denn eigentlich ist es ja keine Pilgerreise, die ARCHIBALD da macht, sondern die Reise dient eher der Erforschung eines Phänomens.
„Bei uns baut man so, weil man es immer so gemacht hat. Weil das hier alle so machen. Wenn dann aber die Leute, wie die Gerti, so neumodisches Zeug an das Herkömmliche dran bauen, passt es einfach nicht. Das stört“, erklärt die Frau. ARCHIBALD reicht die Erklärung nicht aus und er fragt: „Aber warum stört es? Wissen Sie, das interessiert mich sehr.“ Die beiden scheinen mit der Frage überfordert. Der Zug hält an einem Bahnhof und die beiden Damen beeilen sich auszusteigen. „Die Studenten, immer wollen sie irgendwas wissen, forschen, arbeiten tun sie nichts…“, hört er die Frau noch zur anderen sagen.

ARCHIBALD schnauft. Na prima, jetzt war er so mutig und hat sich eingemischt und herausgekommen ist nichts dabei. „Kapott“. ARCHIBALD lacht und denkt sich: Ja, Carports können schon schrecklich aussehen. Er beschließt am nächsten Bahnhof auszusteigen und sich zu Fuß auf den Weg zu machen. Vielleicht ist das inspirierender, als vom Zug aus die Landschaften und Dörfer anzuschauen und solche unsinnigen Gespräche zu führen. Warum baut man so, weil man es immer gemacht hat, und warum könnte das Haus dieser Gerti nun auf die Nachbarn so furchtbar wirken, grübelt er. ARCHIBALD steigt am nächsten Bahnhof aus und spaziert durch den Ort.
Bauernhäuser mit viel Holz und Gemälden wechseln mit Steinhäusern, die klassizistisch anmuten sogar Backsteinbauten sind da und ein paar 50er-Jahre-Häuser, an deren Fassade etwas ungeschickt Ornamente ähnlich derer der Bauernhäuser aufgegriffen wurden. Nach einigen Minuten Fußweg wird die Bebauung immer weniger. Er dreht um und beschließt zum Rathaus zu gehen. Vielleicht gibt es dort Jemanden, mit dem er sich über Bauten und Bebauungspläne unterhalten kann. Er steht vor dem Büro der Bauverwaltung. Dort scheint nur ein Mann mit den Bauanträgen beschäftigt zu sein und der hat schon Dienstschluss, weil es bereits nach halb vier Uhr nachmittags ist.
„Mist?! Wo kann ich denn jetzt noch hin, um mit jemandem zu sprechen, der mir in meiner Sache vielleicht weiterhelfen könnte?“ An der Tafel vor dem neobarocken Rathaus des Ortes findet er einen Hinweis auf ein Heimatmuseum. „Na, wer, wenn nicht die Leute dort!“, freut sich ARCHIBALD und macht sich auf die Suche nach dem Museum. Als er ankommt liest er an der Tür, dass es heute nicht auf hat, sondern nur Dienstagvormittag und Freitagabend. Gut, da Mittwoch ist, nutzt ihm auch das nichts. Er beschließt ins nächste Gasthaus zu gehen, sich ein Zimmer zu nehmen und bis Freitag einfach weiterzusuchen. Studieren und forschen braucht eben oft viel Geduld und einen langen Atem, vor allem auf dem Land. Hier ticken die Uhren einfach anders.
Wie kann ARCHIBALD herausfinden, warum es in einer Region eine bestimmte Bauweise gibt? Wisst Ihr da mehr, oder habt Ihr schon Erfahrungen gesammelt? Helft ARCHIBALD bei seiner Suche und postet Tipps im Forum