Aschermittwoch ist alles vorbei! „Endlich!“, denkt sich ARCHIBALD, denn mit Karneval, Fasching oder auch Fastelovend konnte er in diesem Jahr nicht wirklich etwas anfangen.
ARCHIBALD war dieses Jahr völlig gestresst und konnte gar nicht so richtig mitfeiern. Die Abgabe stand an, Pläne und Portfolios mussten fertig werden und dann hatte auch noch der Plotter gesponnen. Wie immer! Für die Wahl eines Kostüms hatte er ebenso wenig Zeit, wie zur Party zu wackeln. Dabei hätte ihm die Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und überschäumende Lebensfreude wirklich gut getan.
Gut findet er, dass bei dem närrischen Treiben der Winter verjagt werden soll. Und genau das ist den Narren auch scheinbar gelungen. Seit Rosenmontag lässt sich nach langer Dunkelheit und Kälte die Sonne wieder blicken. Wie wunderbar!
Als was wäre er dieses Jahr wohl gegangen, wenn er die Zeit gehabt hätte? Als was gehen Architekten auf Faschingspartys? Letztes Jahr hatte ihn es gar nicht gekümmert, was seine Kollegen so üblicherweise an Fasching tragen und ob es da Regeln, oder Vorlieben gäbe. Gibt es spezielle Kostüme für Architekten? Vielleicht ist das eine Marktlücke. "Man müsste einen Shop für Architekturfasching aufmachen", ruft ARCHIBALD, "denn so etwas gibt es noch nicht."
Aber welche Kostüme würde er verkaufen? Schwarz müssten sie sein, weil alle immer Schwarz tragen. Warum weiß ARCHIBALD auch nicht. Es ist halt so.
Nun, da würde sich Zorro anbieten, oder Darth – die alte Büchse – Vader, oder der Schornsteinfeger, ein Teufel, oder auch das Phantom. Die Mädels könnten als schwarze Witwe gehen, oder ist das alles zu phantastisch?

ARCHIBALD erinnert sich an einen guten Bekannten, der den ganzen Abgabeschrott schon hinter sich hat und ihm erzählte, er ginge als Villa Kunterbunt. „Das ist die Idee!“, fällt ARCHIBALD auf. Warum sollten Architekten nicht als Haus gehen? So könnten sie sich noch besser in die Materie hineinfühlen! Das wäre wirklich ganzheitliche Architektur. Nicht nur mitten drin sein, sondern sich gänzlich damit identifizieren.
In Köln würde er als Dom gehen, in Stuttgart als Porsche Museum, denn als neuer Bahnhof zu gehen, wäre ja auch wieder zu phantastisch. In München wäre er die Sammlung Brandhorst, das Hofbräuhaus, oder das Olympiastadion. Und in Frankfurt ginge er als Römer, Commerzbank-Arena, oder Messeturm. „Für My Zeil“, denkt sich ARCHIBALD, ist meine Klappe nicht groß genug.“ Na und in Berlin bietet es sich an, als Erichs Lampenladen loszuziehen. Schade nur, dass die wenigsten noch wissen, was das ist.
Prima. Für nächstes Jahr gäbe es also einiges zu tun. ARCHIBALD zeichnet gleich los. „Wie müsste es konstruiert sein, damit ich hineinschlüpfen kann?“ Vielleicht sollte ich mich mal mit Lisa treffen, die studiert doch an der Modeschule. Sicher kann sie mir helfen, ein solches Kostüm zu Stande zu bringen“, grübelt ARCHIBALD. Eine günstige Gelegenheit mal wieder aus dem Haus zu kommen! „Ha! Aus dem Haus! Will ich ja gar nicht, will in das Haus und dann völlig aus dem Häuschen sein!“, wie liebt er diese Wortspiele...
„Nach der Session ist vor der Session!“, wusste schon Axel immer zu sagen, der Urvater des Architektenfasching. Vielleicht sollte er mal mit ihm über die Herstellung, den Vertrieb und das Ladengeschäft für Architektenkostüme sprechen, der hat ja schließlich schon Erfahrungen mit so was.