DETAIL X Kolumen zur Architektur

ARCHIBALD: „Frustabbautheater für das Vergessen“

ARCHIBALD ist kaputt. Wieder eine Nacht durchgemacht, um an seinem Entwurf zu feilen. Nicht mehr lange bis zur Abgabe. Nur noch wenige Stunden…Wie soll er das schaffen, fragt er sich. Zu allem übel steckt er auch noch fest. Noch mal ganz von vorne anfangen? „Hey, ARCHIBALD, du siehst ja aus wie ein Zombie!“, stellt Nachbarin Anne fest. „Ja, die hat gut reden, seziert ein paar Mäuse, beobachtest das Sozialverhalten von Erdmännchen und geht einfach ins Bett, wenn sie müde ist!“, denkt sich ARCHIBALD. Schade nur, dass ihn Biologie so gar nicht interessiert.


ARCHIBALD schließt schnell seine Tür hinter sich zu und rollt sich auf dem Boden zusammen. Erdkontakt ist gut. Am Boden liegen beruhigt ungemein. ARCHIBALD schmerzen die Glieder, seinen Kopf konnte er kaum noch halten, ebenso wenig die Augenlieder, sie werden immer schwerer.

Was doch so ein Bodenkontakt ausmacht, denkt er sich.  Er ist sich sicher, dass es da noch viel mehr gibt, von dem er nichts ahnt. Psyche und Physis schlagen uns so manches Schnippchen. Wenn er diesen ganzen Abgabestress hinter sich hat, wenn er den Plotter und den Computer bezwungen hat, dann wird er sich mal mit diesem Thema auseinandersetzen: „Architektur und menschliche Psyche“, das scheint ein weites Feld.

Er schaltet die Glotze ein. Es läuft ein Beitrag über die ehemaligen Quelle-Mitarbeiter, die im Stadttheater Fürth nun ein Theaterstück aufführen. Ein Theaterpädagoge erklärt, wie wichtig das Stück und die Proben für die Seele der Menschen war und dass er nicht gedacht hätte, dass ein so ehrliches Stück dabei herauskommt.

„Aha, da ist sie wieder, die menschliche Psyche. Gibt es auch eine Theatergruppe, in der man psychische Schäden - hervorgerufen durch Abgabetermine im Architekturstudium - verarbeiten kann? Wenn nicht, dann werde ich vielleicht wirklich noch eine gründen“, nimmt sich ARCHIBALD vor. „Oder ist das zu Psycho? Wer könnte da mitmachen, damit es kein Soloprogramm wird?“

ARCHIBALD grübelt nach. „Maja!“ ruft ARCHIBALD, „aber die wohnt ja jetzt ziemlich weit weg.“ Maja ist eine alte Freundin von ARCHIBALD, als Kinder waren sie mal Nachbarn. „Maja hilft immer“, weiß ARCHIBALD. Sehr gut auch, dass sie sich an der Alanus Hochschule in Eurythmie ausbilden lässt. „Tanzen die da nicht Buchstaben?“ fragt sich ARCHIBALD. Ich rufe Maja mal an.

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Detail, 12.03.10
  
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