Aufgabenstellung:
Zwischen der Stadt Sarstedt und dem Ortsteil Ahrbergen der Gemeinde Giesen befindet sich ein Kiesabbaugebiet. Auf einem Großteil der Flächen ist der Abbau beendet. Die ausgebeuteten Flächen ist eine Situation entstanden, die durch eine Vielzahl von Teichen gekennzeichnet ist. Die Verbindung von naturräumlichen Potentialen der Innerste-Niederung und den Folgen des industriell betriebenen Kiesabbaues mit seiner wechselnden Seenlandschaft sind hier hautnah zu erleben. Der Ort ist von Veränderung geprägt, die noch nicht abgeschlossen ist. Ein Renaturierungskonzept sieht das Verfüllen einiger Kiesgruben vor. Mit der zukünftigen Nutzung soll dieser Ort neu interpretiert und seine Potentiale herausgearbeitet werden.
Die Entwicklung dieser durch die gewerbliche Nutzung geprägten Fläche ist eine interkommunale Aufgabe der beiden beteiligten Gebietskörperschaften. Die Aufgabe erhält somit regionalen Charakter. Die Chance dieser Kooperation liegt in einer Vernetzung von Entwicklungsstrategien und sinnvollen Zuordnungen. Ein Schwerpunktthema des Entwurfes ist die Definition einer Identität für diesen Bereich. Die Definition von Grenzen und Übergängen zwischen bebautem und landschaftlichem Raum sowie zur Kernstadt und der ländlich geprägten Bebauung gilt es herauszuarbeiten. Die Lagegunst und die inneren und äußeren Freiraum- und Strukturqualitäten spielen bei der Auswahl der zukünftigen Wohnstandorte eine immer größer werdende Rolle. Dazu gehören Naherholungsqualitäten, Freizeitwerte, Versorgung und das Wohnumfeld. Ein Thema zur Identitätsbildung dieses
Wohngebietes kann der entwurfliche Umgang mit Wasser sein. Der Charakter dieser
Fläche mit seiner künstlichen Seenlandschaft bietet in vielfältiger Weise Möglichkeiten,
Konzepte für ein Bauen mit dem Wasser zu entwickeln. Dabei ist es
vom Konzept abhängig, ob der aktuelle Zustand, der selbstverständlich nicht exakt
in den Plänen wiedergegeben wird, der städtebaulichen Struktur zugrunde gelegt
wird.
Entwurfsbeschreibung:
Conture
Die Leitidee des Entwurfs „conture“ ist die Vernetzung von Mensch und Natur. Hierbei liegt die Schaffung von qualitativ hochwertigen Lebensraum im Vordergrund. Die um ein Zentrum angeordneten Cluster, bieten Wohnraum für all diejenigen die auf die nähre zur Stadt Hannover als Wirtschaftsraum angewiesen sind und das Leben in ländlicher Umgebung nicht missen möchten.
Die „conture“ besteht aus in Begrünung eingefassten Clustern die sich zwischen den vorhandenen Baggerseen des ehem. Kiesabbaugebietes schmiegen. Die so entstandene Struktur erinnert an eine Kiesschüttung. Das Quatier definiert sich als eigenständiges Gebiet, mit Anschüssen an die K512 sowie Sarstedt und Ahrbergen.
Besonderes Augenmerk legten wir auf die Renaturierung. Durch die neu angelegten, weitläufigen Grünflächen entsteht ein Naherholungsgebiet, das sich positiv auf die Wohnqualität des gesamten Umfeldes auswirkt. Neben der landschaftlichen Renaturierung findet eine Reinkarnation der abgebauten Gesteine und ihrer Evolution in Form gebauter Kubaturen statt
Daraus abgeleitet entsteht die „conture“ die sich aus „concrete“ und nature“ zusammensetzt.
Das sagte das Preisgericht:
Die Grundidee, überschaubare Siedlungseinheiten in das Teichsystem zu integrieren, wird in der gewählten Form besonders hervorgehoben. Es entsteht auf diese Weise ein harmonisches Verhältnis zwischen dem Freiraumcharakter und der Bebauung. Wenngleich die Aufenthaltsqualität der öffentlichen Zwischenräume zwischen den Baufeldern nicht immer erkennbar ist, bietet die Arbeit insgesamt einen guten Ansatz für eine Bebauung bei gleichzeitigem Erhalt des Zugangs zu den Teichen für die Öffentlichkeit. Die Erschließung, die die Siedlungsergänzung ringförmig an die Stadt Sarstedt anbindet und mit einer Nebenerschließung auch eine Verbindung nach Ahrbergen herstellt, ist mit kleinen Abstrichen sinnvoll und konsequent. Die Darstellung des städtebaulichen Konzeptes bleibt für den Maßstab 1:1000 zu plakativ, was z.B. die Qualität der die Siedlungseinheiten rahmenden Grünstrukturen betrifft. Auf der anderen Seite wird die typologische Ausarbeitung der Bebauung und die atmosphärische Dichte der Lösung, die auf diese Weise entsteht, besonders hervorgehoben.
