Zur Baugeschichte von Paris

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Die Stadtbefestigungen von Paris

Zum Seminar

Am Lehrstuhl Denkmalpflege und Baugeschichte wurde im Wintersemester 2008/09 ein Seminar zur Städtebaugeschichte von Paris angeboten, was im Zusammenhang zum Master-Schwerpunkt im Semester stand. Zwar kein Masterstudent, hatte ich trotzdem eine interessante Veranstaltung gefunden. Mit den zur Gegenwart fortlaufenden Vortragsthemen löste sich das allerdings aufgrund meiner Geschichtsvorlieben etwas, wie ich zugeben muss. Ich bearbeitete die Stadtbefestigungen und damit die Ausdehnungsschritte der Stadt seit dem Mittelalter. Auf den ersten Blick erschien das Thema einen erschlagenden Umfang zu haben, sodass ich mich vom Lehrstuhl erst überreden lassen musste, den schließlich ersten Beitrag des Seminars zu bearbeiten. Im Endeffekt bin ich jedoch froh darüber, da das Zusammenspiel aus Städtebau und Fortifikation mich fesselte. Obendrein war es eine Fortsetzung des Städtebauseminars, in dem ich mich dem mittelalterlichen Städtebau gewidmet hatte. Einleitung und Resümee meiner Seminararbeit habe ich hier beigefügt, um einen Überblick über das Thema zu geben

Einleitung

Als Bestandteil des Seminars: „Die Dynamik des Bestands. Zur Baugeschichte und städtebaulichen Denkmalpflege von Paris“, wird anhand der Stadtbefestigungen von Philipp II. Auguste bis Louis Philippe, also ca. 1180 bis 1848, die stadträumliche Entwicklung von Paris in sehr klar ersichtlichen Etappen dargelegt, die sich durch die aufeinander folgenden Mauerbauten strukturieren lassen. Um die Hintergründe zu erläutern, die zu den Baumaßnahmen oder zu ihrer Unterlassung führten, werden die Rahmenbedingungen wie Politik und einhergehende Konflikte angerissen und eine Einführung der Bauherren und Planer versucht. Bekannte Daten wie die Konstruktionszeit oder die Mauerlänge sollen Werte zum Vergleich der Dimensionen liefern. Am wichtigsten aber unter den zu beantwortenden Fragen sind der Verlauf der Mauern, das von ihnen umschlossene Gebiet und demnach die Ausdehnung der Stadt. Abschließend ist noch der heutige Zustand der Mauern oder vielmehr ihrer Reste von Bedeutun

Mit Philipp II. beginnt diese Analyse in der Blütezeit der europäischen Städtegründungen im Hochmittelalter, als Paris, das als ehemalige Römerstadt bereits bestand, einen massiven Bedeutungsanstieg erfuhr. Auch die Königsstadt wurde vom „Schwarzen Tod“ nicht verschont und erlitt dadurch einen Wachstumseinbruch, vom dem es sich erst nach dem Hundertjährigen Krieg erholte. Neben Seuchen und Kriegen sollten aber auch das Selbstverständnis der Könige und die Standorte ihrer Residenzen eine Rolle bei der Stadtentwicklung spielen. Waren die ersten mittelalterlichen Befestigungen noch unter den fortschrittlichsten ihrer Zeit, sollten die letzten Fortifikationen schon längst überholte Anlagen gewesen sein, als sie auf die Probe gestellt wurden und ihr technischer Stand für Paris zum Verhängnis wurde. Die neueste gezogene Grenze zwischen Stadt und Umland bestand schlussendlich nicht mehr aus Mauern und komplexen Arrangements von Erdwällen, sollte aber dennoch keine geringere Trennlinie verheißen.

Resümee

Anhand von Dieter Kimpels Illustration kann die Befestigungsentwicklung leicht überblickt werden. Der Umfang der Befestigungen wiederum war von folgenden Faktoren bestimmt: Im Mittelalter war es vor allem die Bedrohung durch die Engländer in ihren Ländereien auf dem Festland, welche das französische Kronland zur Befestigung nötigte. Demgegenüber stand einige Jahrhunderte später der Glaube an die Landessicherheit, als Ludwig XIV. Paris zur offenen Stadt machte. Die Ausdehnung der städtischen Bebauung erforderte ausgeweitete Befestigungen. Die Regulierung der Ausdehnung, durch Eingrenzung oder Mauern als schützende Anregung zur Ansiedlung, nutzte ebenfalls die Befestigung als Mittel. Zuletzt spielten auch noch die Finanzen eine Rolle als Hindernis für den Mauerbau oder als Anlass, indem die Zollgrenzen durch weitere Mauern ausgedehnt wurden. Daher sind die Befestigungen eng mit der Stadtausdehnung verknüpft und sie zeichnen sich bis heute in den Straßenverläufen der Stadt ab. Stadtmauern waren früher u.a. zur landschaftlichen und politischen Abgrenzung vom Umland da. Und auch heute noch ist mit dem boulevard périphérique, wo die letzte Stadtbefestigung verlief, eine scharfe Zäsur zwischen der Stadt Paris und dem Umland vorhanden. Mit dieser zwar wichtigen Verkehrsbahn hat sich Paris aber wohl auch ein sehr nachhaltiges Problem geschaffen.

Titel+Vorschau: Paris zur Zeit Karls V. (http://www.garwood-voigt.com/catalogues/H21440ParisJanssonius.jpg)

Abbildung 2: Stanford's Map of the Environs of Paris Shewing the Fortifications. London, 1870 (http://www.gracegalleries.com/images/FR/FR138.jpg)

Abbildung 3: Ringautobahn im Jahr 2003, nach: Plazy, Gilles, Hrsg.: Paris: Geschichte, Architektur, Kunst, Lebensart, Promenade, Paris 2003, S. 6

Abbildung 4: Die Befestigungsringe von Paris, nach: Kimpel, Dieter: Paris. Führer durch die Stadtbaugeschichte, München 1982, S. 30

(Moritz Wild) 

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Detail, 18.05.12
  
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