Endlich Semesterferien! Zeit um Dinge nachzuholen, die während des Semesters auf der Strecke bleiben. So besuchte ich am vergangenen Wochenende meinen langjährigen Freund Philipp Strobel in Karlsruhe. Er studiert hier Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste. Sein Professor ist der rennomierte Bildhauer Stephan Balkenhol. Und natürlich durfte an diesem Wochenende die Kunst nicht zu kurz kommen. Im Rahmen der Sommerausstellung besuchten wir die zahlreichen Akademie-Ateliers, die in den Bereichen Malerei, Bildhauerei oder auch Performance Kunst jede Menge zu bieten hatten. Philipp Strobel selbst experimentierte in diesem Semester mit Le Corbusier's Sessel-Klassiker LC2. Er interpretierte das Möbelstück auf seine eigene Weise und stellte einen Nachbau im Maßstab 1:1 her. Allerdings verdrehte er die Materialien: Anstatt des edlen Chromgestänges verwendete er einen unbehandelten Bewehrungsstahl. Die weichen Lederpolster wurden durch massiven Beton ersetzt. Sein Prozess beschreibt er so: "Ich habe zum ersten Mal Beton in Stoff gegossen und hatte auch ein paar schlaflose Nächte bezüglich des Gewichts. Immerhin wiegen die zwei Seitenpolster zusammen fast 300 Kilogramm aber ich bin sehr froh, dass alles gehalten hat und es keine bösen Überraschungen gab. Machmal ist es wichtig neugierig zu sein, Sachen auszuprobieren und Neues zu wagen. Es gibt für fast alles Möglichkeiten. In Zukunft möchte ich noch ein paar Sessel gießen eventuell auch in Wachs oder in anderen Materialien."

Durch die "Stoffschalung" wird selbst Beton bequem.

Bewehrungsstahl statt hochpoliertem Chromgestänge.
www.kunstakademie-karlsruhe.de
ausstellungstepinthearena.wordpress.com/about/
Stellungnahme zu Peter Zwickys "Grand comfort, Sans confor, Dommage a Corbu"
Bereits 1980 experimentierte der Züricher Architekt Stefan Zwicky mit dem LC2 und schuf den "Grand comfort, Sans confor, Dommage a Corbu", der sich zwar in den Materialien zu Strobels Werk ähnelt aber trotzdessen eine andere Position bezieht. Strobel selbst geht es viel mehr um die Interpretation der weichen Oberflächen statt einer einfachen Materialvertauschung.
Link zu Peter Zwickys LC2