Instrumente mittelalterlicher Stadtplanung

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Instrumente mittelalterlicher Stadtplanung

Aus dem Seminar "Stadtentwurf und Bauleitplanung":

Instrumente mittelalterlicher Stadtplanung

Datum: WS 2006/07

Umfang: 2 SWS (3 Credits)

Leistungen: Referat + Seminararbeit

Vorwort

Im Rahmen des Seminars „Stadtentwurf und Bauleitplanung“ der Professur Entwurf und Sädtebau I galt es zu erfassen, wie Planungsinstrumentarien entstehen und sich in Abhängigkeit von den sozialen und ökonomischen Ausgangs- und Rahmenbedingungen der Siedlungsentwicklung verändern, sowie die Wechselwirkung zu den sich wandelnden städtebaulichen Leitbildern zu verstehen.

Ausgehend von der geschichtlichen Entwicklung der Stadtplanung sollte das Seminar einen Überblick zum derzeitigen Instrumentarium vermitteln. Anhand praktischer Beispiele wurde die Eignung dieses Instrumentariums zur Bewältigung aktueller Probleme und Aufgaben der Stadtentwicklung geprüft. Der Gestaltung des Stadtumbaus bei sinkender Einwohnerzahl sollte besonderes Augenmerk zuteil werden.

Als Grundlage der heutigen Instrumente und zum Verständnis der Entwicklungen dorthin, wurden historische Übersichten zur Stadtplanung von der Antike bis in die Neuzeit erarbeitet. Aus persönlichem Interesse am Mittelalter wird dieser Seminarbericht die Instrumente mittelalterlicher Stadtplanung darzulegen versuchen.

Inhalt

0. Einleitung

1. Gegebenheiten und Rahmenbedingungen

1.1. Ursachen für Städtezuwachs

1.2. Ursprünge der mittelalterlichen Stadt

1.3. Stadtherren und Stadtbewohner

1.4. Zwei Entwicklungsetappen

2. Ziele und Form

2.1. Fixpunkte in der Stadt

2.2. Stadttypen

2.3. Das Haus als gestaltgebendes Element

2.4. Befestigung

2.5. Bedeutung von Gewässern

3. Instrumente und Methoden

3.1. Einführung und Rechtsgrundlagen

3.2. Rechtliche Bestimmungen

3.3. Praktische Maßnahmen

4. Schlussbetrachtung

5. Quellenverzeichnis

6. Abbildungsnachweis

0. Einleitung

Um die Instrumente mittelalterlicher Stadtplanung zu erläutern, seien die Rahmenbedingungen des Mittelalters, insbesondere unter sozialen Gesichtspunkten, als Einführung vorangestellt. Erst durch die Kenntnisse um die Gegebenheiten, die den Städtebau jener Zeit bestimmten, können die Entwicklungen und Ergebnisse, die nachfolgend dargelegt werden, nachvollzogen werden.

Der drastische Städtezuwachs im Mittelalter ist auf bestimmte Ursachen zurückzuführen, wie auch die Ursprünge der mittelalterlichen Städte auf vielfältigen Grundlagen aufbauen.

Die sich gegenseitig bedingenden Ziele und Formen der Städte mit ihren Wahrzeichen und typischen Ausformungen, sowie die gestaltgebenden Elemente werden betrachtet werden, wie auch die Stadtbefestigungen und der Umgang mit Gewässern.

Die Methoden, die im Mittelalter für die Planung und Umsetzung der Städte und zur Steuerung ihrer Ausformung werden unter rechtlichen und praktischen Gesichtspunkten behandelt.

Im Laufe der Arbeit sei der mittelalterliche Städtebau als ein Lernprozess charakterisiert, der behutsame Experimente einschließt und in seiner planerischen Behandlung der Siedlungen mit den Weg für die heutige Stadtplanung bereitet hat.

2. Ziele und Form

Großen Einfluss auf die mittelalterliche Vorstellung von „Stadt“ hatten die Bibel mit Erzählungen über das „himmlische Jerusalem“, wie Schirrmacher[27] berichtet, dem Hirschmann zustimmt und um Rom als Vorbild für den Städtebau ergänzt.[28] Ideale hatte man, doch gab es nie "die mittelalterliche Stadt", aber typische Ausformungen, die in einem kommenden Kapitel näher behandelt werden.

Mit großer Unbekümmertheit wagte man sich an die Umsetzung der Städte, denn Pläne wurden entsprechend der Gegebenheiten im Gelände angepasst – Zweckmäßigkeit war ausschlaggebend. Zudem gewöhnte man sich an Unzulänglichkeiten, fühlte sich von unregelmäßigen Formen, Kontrast und Unvollkommenheit weniger gestört, sodass die Grundrisse nie völlig schematisiert wurden. Mit den gegebenen Umweltbedingungen, Materialien und dementsprechend entwickelten Konstruktionsmöglichkeiten brachten sich weitere Faktoren in die Ausgestaltung der Stadt ein.

Leonardo Benevolo sieht die damalige Stadt als einen komplexen Organismus in einer ständigen Entwicklung, dessen Funktionen klar ablesbar gewesen seien, sowie als einen geschlossenen räumlichen Bezirk, dessen Mitte die höchste Anziehungskraft aufwies,[29] was ihn zu folgender Charakterisierung veranlasste: "Eine ganze Welt im kleinen, überschaubaren Rahmen zu sein gehört zum Wesen der europäischen Stadt."[30]

27) Ernst Schirrmacher, Stadtvorstellungen, Artemis Verlag, Zürich/München 1988, S. 35

28) Frank G. Hirschmann, Stadtplanung, Bauprojekte und Großbaustellen im 10. und 11. Jahrhundert, Anton Hiersemann, Stuttgart 1998, S. 475

29) Leonardo Benevolo, Die Stadt in der europäischen Geschichte, Beck, München 1993, S. 61ff

30) ebenda S. 47

Abbildung: Klaus Humpert, Die Entdeckung der mittelalterlichen Stadtplanung, Theiss, Stuttgart 2001, S. 31

(Moritz Wild)

zum vollständigen Text der Seminararbeit



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