Aufgrund meines sehr straff organisierten Bachelorstudiums hatte ich leider keine Möglichkeit im Sommer nach Holland zu fahren und mir ein Bild von meiner zukünftigen Behausung zu machen. Die erste und sichere Option hieß Wohnheim. Alles scheint prima organisiert zu sein, man lernt definitiv neue Leute kennen und wohnt direkt neben der Uni. Klingt perfekt, wäre da nicht der bittere Beigeschmack der Kosten. Bis zu 550 EUR soll so ein hübsches Zimmer kosten. Wie soll ein normaler Student mit einer normal monatlich zu zahlenden Miete von gerade Mal 200 EUR das bitte finanzieren? Geht nicht, kann ich nicht, da muss es noch etwas anderes geben dachte ich mir. Also, auf zur Wohnungssuche, das Risiko eingehen und ein WG-Zimmer suchen. Erstaunlicher Weise hat das dann auch alles schneller geklappt als vermutet und so wohne ich nun in einem kleinen aber feinem Zimmer für 350 EUR in einer WG mit mittlerweile drei Niederländern. Der Weg zur Uni ist mit 10min absolut akzeptabel und das Zentrum ist auch nah. Was will man also mehr?
Je schlechter das Wetter, desto schlimmer die Abende. Im Sommer hab ich es so genossen, nicht im Wohnheim mit rund 50 anderen Erasmusstudenten zu wohnen. Ich konnte selbst entscheiden ob ich wirklich jeden Tag feiern will, ich hatte einen Grund auf mein Fahrrad zu steigen, neue Wege zu erkunden und nicht nur auf dem Campus zu verweilen. Ich hatte das Gefühl, dass alle in ihren Wohnheimzimmern versauern, maximal die 500m zur Uni laufen und ansonsten keinen Grund haben auch nur einen Schritt vor die Türe zu setzen. Ganz so schlimm war es natürlich nicht. Wir waren viel am Strand und unterwegs aber die meisten Partys und Aktivitäten fanden nun mal im und ums Wohnheim statt und ich habe nichts mehr genossen als jeden Tag mit dem Rad unterwegs zu sein. Doch nun ist Herbst. Es regnet, es ist kalt und vor allem wird es früh dunkel. Was natürlich zur Folge hat, dass wir uns alle etwas mehr nach drinnen zurückziehen und nicht unbedingt im strömenden Regen durch die Nacht fahren wollen. Da ich außerhalb wohne, muss ich mich natürlich immer mehr oder weniger Verabreden, fragen was so los ist und versuchen meine Freunde davon zu Überzeugen, dass es nett wäre nicht nur allein im Zimmer zu sitzen. Oft höre ich dann, "Oh, ich muss noch was für die Uni machen, Ich bin müde..." etc. Ich überlege mir also zweimal ob ich durch die Kälte und den Regen ins Wohnheim fahre oder vielleicht doch lieber die Annehmlichkeiten meiner Wohnung genieße. In solchen Momenten wünschte ich mir dann doch im großen Haus mit allen anderen zu wohnen und die Möglichkeit zu haben einfach ganz ungezwungen bei Freunden vorbeizuschauen ohne das Gefühl zu haben der Besuch zu sein und stundenlang bleiben zu müssen damit sich der Weg auch gelohnt hat. Oft höre ich dann am nächsten Tag Geschichten, wie "Ach, dann kamen die anderen noch vorbei und dann haben wir doch noch einen Film geschaut und was getrunken, wo warst du eigentlich?"
Meine persönliche Empfehlung: Je mehr kalte verregnete Monate während deinem Erasmusaufenthalt zu erwarten sind, desto mehr würde ich es in Erwägung ziehen ein Wohnheimplatz zu beziehen.