Thema mit vielen Antworten

Hybride oder Wer braucht noch Stützen und Träger

Autor Nachricht
Verfasst am: 01. 08. 2009 [13:24]
RobertVolz
Themenersteller
Dabei seit: 29.07.2007
Beiträge: 1
Wenn auf die Ablesabrkeit der Funktion sowie auf dei Ablesbarkeit der Konstruktion keinerlei Rücksicht mehr genommen wird, sondern nur noch ein Image zum Raumbildenden Konstrukt geformt wird, treten dann Probleme in der Nutzbarkeit auf?Darf bei einem Blob beispielsweise eine Eingangssituation ausbilden und darf dann die Konstruktion noch in irgendeiner Form erkennbar sein? Falls nicht sind dies dann Nachteile, die man durch die wirkung einer Raumskulptur weg machen kann? Lohnt es sich überhaupt über die Hybride Architektur zu diskutieren oder ist sie ein Trend der sich niemals durchsetzen wird? Wie steht ihr zu dieser sicherlich sehr aufsehenerregenden Architekturform, beteiligt euch!
Verfasst am: 24. 11. 2009 [18:55]
VUB
Dabei seit: 23.11.2009
Beiträge: 52
Hallo Robert Volz,

RobertVolz schrieb:

Wenn auf die Ablesabrkeit der Funktion sowie auf dei Ablesbarkeit der Konstruktion keinerlei Rücksicht mehr genommen wird, sondern nur noch ein Image zum Raumbildenden Konstrukt geformt wird, treten dann Probleme in der Nutzbarkeit auf? /.../
Falls nicht sind dies dann Nachteile, die man durch die wirkung einer Raumskulptur weg machen kann? Lohnt es sich überhaupt über die Hybride Architektur zu diskutieren oder ist sie ein Trend der sich niemals durchsetzen wird?


Probleme treten immer auf. Wer hält sie für ein Problem und wer nicht? Es gibt unterschiedliche Interessengruppen und Denkhaltungen.

Ich las anderswo dazu rasch:
"Hybrid Architektur ist die ultimative Abkehr von Funktionstrennungen und vom Planungsdeterminismus, von der traditionellen Objekt-Architektur hin zu einer prozesshaften Steuerung der Architektur." aus:
http://www.nextroom.at/publication.php?id=10043

Das Thema ist recht interessant. Es sollte die Diskussion dazu ausgeweitet werden.
Da es sich um einen Trend handelt, ist die Diskussion eigentlich unausweichlich, um die Zusammenhänge besser zu verstehen.

K.L.
http://shortstoriesingerman.blogspot.com/
Verfasst am: 25. 11. 2009 [10:02]
LieseMüller
Dabei seit: 07.08.2009
Beiträge: 45
Hallo VUB,

ich habe bei einer Ausstellung einen Versuch gesehen, der mich nicht mehr los lässt. An einer außen angebrachten Station wurden Wetter-und Klimadaten gemessen. Im Innern war ein Versuchsaufbau zu sehen. Abhängig von Wind, Wetter und Temperatur bewegten sich Koordinationspunkte. Sie wurden virtuell an die Wand projeziert, gingen Verbindungen ein und formten ein Gebilde. Stetig wandelte sich diese Form. Es sollte ein Pilz sein, eine virtuelle Architektur, die auf das Klima reagiert und davon abhängig wächst und sich verändert.
Verfasst am: 25. 11. 2009 [16:43]
VUB
Dabei seit: 23.11.2009
Beiträge: 52
LieseMüller schrieb:

ich habe bei einer Ausstellung einen Versuch gesehen, der mich nicht mehr los lässt. An einer außen angebrachten Station wurden Wetter-und Klimadaten gemessen. Im Innern war ein Versuchsaufbau zu sehen. Abhängig von Wind, Wetter und Temperatur bewegten sich Koordinationspunkte. Sie wurden virtuell an die Wand projeziert, gingen Verbindungen ein und formten ein Gebilde. Stetig wandelte sich diese Form. Es sollte ein Pilz sein, eine virtuelle Architektur, die auf das Klima reagiert und davon abhängig wächst und sich verändert.


Hm, ja. Interessant zu lesen. Aber ist das Hybrid Architektur?

Ich las gerade folgenden Erklärungsversuch:
"Wenn Leute wie Frank O. Gehry komplizierte computergenerierte Geometrien /.../ in 3-D umsetzen, hat das mit hybrider Architektur also nur sehr wenig zu tun. Wenn allerdings Künstler wie Hans Kuppelwieser das Lowtech-Dach einer Seebühne, wie jener in Lunz, zugleich als Badeterrasse entwerfen, und auch so gut wie alle anderen Elemente der Anlage in vielfacher Weise ganz unterschiedlich genutzt werden können, dann wird die Angelegenheit schon etwas konkreter." aus:
http://www.basis-wien.at/avdt/htm/126/00066430.htm

Man wird sich deutlicher machen müssen, was mit Hybrider Architektur gemeint ist.

VUB
http://vub-virtuelleuniversittfrdasbauwesen.blogspot.com/
Verfasst am: 25. 11. 2009 [16:58]
LieseMüller
Dabei seit: 07.08.2009
Beiträge: 45
dann habe ich wohl nicht verstanden, was hybride Architektur meint. Kann es mir Jemand genauer erklären?
Verfasst am: 26. 11. 2009 [06:05]
VUB
Dabei seit: 23.11.2009
Beiträge: 52
LieseMüller schrieb:

dann habe ich wohl nicht verstanden, was hybride Architektur meint. Kann es mir Jemand genauer erklären?


Wir wissen vermutlich alle noch nicht so genau, was mit Hybrider Architektur gemeint ist. Da hilft wohl nur die Recherche weiter, um etwa bei Google o.ä. den unterschiedlichen Auffassungen nachzugehen.

VUB
http://architekturfotografie.blogspot.com/
Verfasst am: 26. 11. 2009 [09:31]
LieseMüller
Dabei seit: 07.08.2009
Beiträge: 45
Ich stelle hiermit eine Expertenfrage:

Was kann man unter Hybrider Architektur verstehen?
Verfasst am: 26. 11. 2009 [17:22]
Niklas
Dabei seit: 18.06.2007
Beiträge: 24
Eine Eigenschaft die ein Gebäude im wesentlichen definiert ist das Programm – die Nutzungsart. Früher kennzeichneten sich Gebäude durch singuläre Nutzungen.
Kirche = Beten, Haus = Wohnen
Im modernen Zeitalter der verdichteten Stadt, überlagern sich diese Nutzungen immer mehr. Ein Gebäude verfügt jetzt über multiple Nutzungsarten und Programme.
Rem Kohlhaas hat dieses Vorkommen prägnant in seinem Buch "Delirious New York" beschrieben. Im Downtown Athletic Club (1931) überlagern sich die Funktionen der Auster-Bar, des Boxclubs und des Umzugsraum. Das Resultat ist eine multiple Nutzung. Die vorher getrennt singulären Nutzungen werden in einem hybriden Baukörper zusammengefasst.
Dateianhang

oysters.jpg (Typ: image/jpeg, Größe: 97.15 Kilobytes) — 118 mal heruntergeladen
Verfasst am: 27. 11. 2009 [00:04]
VUB
Dabei seit: 23.11.2009
Beiträge: 52
Niklas schrieb:

Eine Eigenschaft die ein Gebäude im wesentlichen definiert ist das Programm – die Nutzungsart. Früher kennzeichneten sich Gebäude durch singuläre Nutzungen.
Kirche = Beten, Haus = Wohnen


Eigentlich ist nur die Nutzung durch ein Programm definiert. Dieses Programm wird temporär in einem Nutzraum untergebracht. Wie lange ein solcher Nutzraum überdauern kann, ist nie sicher. Wie lange ein Programm überdauern kann, Abänderungen eintreten müssen, ist auch immer ungewiß. Der Funktionalismus hat uns jedoch suggeriert, man könne Räume genau für einen Zweck schaffen. Herausgekommen ist hauptsächlich Rechtwinklerei.

Niklas schrieb:

Im modernen Zeitalter der verdichteten Stadt, überlagern sich diese Nutzungen immer mehr. Ein Gebäude verfügt jetzt über multiple Nutzungsarten und Programme.


Die Formel "Im modernen Zeitalter" ist an sich schon ein Kuriosum, denn als Moderne werden die neuesten Entwicklungen und Trends schon seit der Renaissance bezeichnet. Verdichtete Städte sind andererseits keine Neuheiten. Genauso sind Gebäude mit multipler Nutzung ebensowenig neu. Da sich die jeweilige Moderne immer als eine wichtige Neuerung verkaufen muß, um marktfähig oder durchsetzbar zu werden, helfen solche Formel natürlich.

Niklas schrieb:

Rem Kohlhaas hat dieses Vorkommen prägnant in seinem Buch "Delirious New York" beschrieben. Im Downtown Athletic Club (1931) überlagern sich die Funktionen der Auster-Bar, des Boxclubs und des Umzugsraum. Das Resultat ist eine multiple Nutzung. Die vorher getrennt singulären Nutzungen werden in einem hybriden Baukörper zusammengefasst.


Tja, klingt erstmal aufregend neu, ist es aber sicherlich nicht. Die Kirchenräume des Mittelalters konnten Orte sein, wo Prostituierte Freier suchten, Geschäftemacher mit Kunden debattierten, usw.
Umnutzungen und Vielfachnutzungen sind erst einmal nichts Neues.

Trotzdem ist das, was als Hybride Architektur bezeichnet wird, eine Neuheit.
Ich vermute, die Diskussion bleibt offen, da das Thema ein weites Feld ist.

VUB
Verfasst am: 27. 11. 2009 [18:25]
Niklas
Dabei seit: 18.06.2007
Beiträge: 24
VUB schrieb:

Trotzdem ist das, was als Hybride Architektur bezeichnet wird, eine Neuheit.
Ich vermute, die Diskussion bleibt offen, da das Thema ein weites Feld ist.


Ich hatte den Begriff der Hybriden Architektur immer auf die Programmatik bezogen. Wenn man dies auf die Struktur der Architektur bezieht gibt es natürlich andere Schlussfolgerungen. Es wird eine neue Definition der zeitgenössischen Architektur gesucht.

So schreibt Prof. Wolff-Plottegg, TU Wien:

"Seit die Postmoderne den Nachweis geliefert hat, dass sowieso alle Formen überall gebaut werden können, seit mit Hilfe des Computers auch nie da gewesene, beliebige Formen generiert werden können, seit sich folglich Ziele wie die Einheit von Form-Funktion-Konstruktion oder Ableitungen wie Form-Follows-Function als ebenso obsolet herausgestellt haben wie die typologische Verankerung in Ort und Geschichte, ist die Architektur(- theorie) im Limesbild der Austauschbarkeit der Ismen gefangen, weiß nicht mehr weiter. Ein Ausweg bahnt sich in der Hybrid Architektur an: nun werden morphing, merging, scaling prozessual auf die Funktionen angewendet; dies ist nicht nur die logische Fortsetzung in der Anwendung der tools, dies zeichnet sich auch unter dem Begriff Verfügungsbauten in der Pragmatik der Immobilienwirtschaft ab. Hybrid Architektur ist die ultimative Abkehr von Funktionstrennungen und vom Planungsdeterminismus, von der traditionellen Objekt-Architektur hin zu einer prozesshaften Steuerung der Architektur."

http://plottegg.tuwien.ac.at/



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