Thema ohne neue Antworten

Was bedeutet deiner Meinung nach „Heimat“ in der Architektur?

Autor Nachricht
Verfasst am: 24. 02. 2010 [14:26]
DetailX.Redaktion
Themenersteller
Dabei seit: 14.08.2008
Beiträge: 54
ARCHIBALD versucht in seiner Kolumne „Architektur-Pilgerreise in der Heimat“ der regionalen Architektur auf die Schliche zu kommen.

Was denkt Ihr darüber?
Verfasst am: 25. 02. 2010 [15:56]
VUB
Dabei seit: 23.11.2009
Beiträge: 52
DetailX.Redaktion schrieb:

ARCHIBALD versucht in seiner Kolumne „Architektur-Pilgerreise in der Heimat“ der regionalen Architektur auf die Schliche zu kommen.

Was denkt Ihr darüber?


Die "Heimat" ist ein weites Feld. Hier erstmal ein Zitat aus einem historischen Wörterbuch:

----
Die Heimath, [1077-1078] plur. die -en, der Ort, das Land, wo jemand daheim ist, d. i. sein Geburtsort, sein Vaterland. Gott, der mich von meiner Heimath genommen hat, 1 Mos. 24, 7.
Sie ruderten gemach der Heimath wieder zu,. Kleist.
Anm. Bey dem Notker Heimod und Heimuod, bey dem Tschudi Heimen, bey dem Pictorius Heimand, im Holländ. Heymet, im Nieders. nur Heime, und im Dän. Hiem. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die letzte Sylbe aus der Endung -de entstanden ist, wie schon Frisch behauptet hat, indem dieses Wort im gemeinen Leben, vieler Gegenden wirklich Heimde geschrieben und gesprochen wird. Ottfried gebraucht dafür mit einer andern Ableitungssylbe Heiminge. In einigen Gegenden ist es ungewissen Geschlechtes, welches es auch bey dem Frisch hat. Ein Mann verlässet sein eigen Heimat und hanget seinem Weibe an, 3 Esr. 4, 20.
-----
aus:
http://lexika.digitale-sammlungen.de/adelung/lemma/bsb00009132_3_1_1643
Das Wörterbuch ist von 1811.

Das, was für jemanden Heimat ist, wird grundsätzlich individuell definiert: "Die ganze Welt ist meine Heimat!".

Folglich muß sich Heimat nicht auf Region und Tradition beziehen. Ein solcher Bezug wird jedoch meistens hergestellt.

Statt dem Wort "Heimat" sollte vielleicht eher das Wort "Region" verwendet werden, um Ausschnitte von Landschaften zu meinen.

In der Region Westerwald habe ich mich getummelt, um sie besser zu verstehen:

http://montabaurimwesterwald.blogspot.com/2008/11/baugeschichte-der-stadt-montabaur.html

Genauso interessant können Ausschnitte von Großstädten sein:

http://manhattanprojekt.blogspot.com/

Es gibt Menschen, die solche Stadtregionen und ländliche Regionen als ihre Heimat auffassen. Auch die Stuttgarter Weißenhofsiedlung wäre demnach Heimat, genauso das Märkische Viertel in Berlin.

Bei Wikipedia findet sich dies zur Wortbedeutung von "Heimat":
------
"Der Begriff Heimat war ursprünglich ein Neutrum: „hämatli“ - „das Heimat“, und stammt von germanisch haima, haimi, indogermanisch kei „liegen“ (englisch home) Das Wort war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein nüchternes Wort, welches im juristischen und geographischen Sinne gebraucht wurde. Der Begriff wurde vornehmlich in Amtsstuben wie Polizei und Bürgermeisteramt von Hoheitsdienern und Notaren verwendet, wenn es um den Geburtsort bzw. den Wohnort oder um das Herkunftsland ging, hier besonders im Erbrecht. Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm wurde Heimat 1877 erstens definiert als „das land oder auch nur der landstrich, in dem man geboren ist oder bleibenden aufenthalt hat“, zweitens als „der geburtsort oder ständige wohnort“; an dritter Stelle wurde hinzugefügt:„selbst das elterliche haus und besitzthum heiszt so, in Baiern.“

Daraus wird ersichtlich, dass der Begriff zur Bezeichnung eines Aufenthalts- oder Bleiberechts benutzt wurde."
-----
aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Heimat

Aus demselben Wikipedia-Beitrag läßt sich dies entnehmen:
-----
"Psychologisch ist Heimat heute ein subjektives Empfinden, unabhängig von politisch-juristischen Definitionen. Sie besteht aus individuellen Einstellungen zu Ort, Gesellschaft und persönlicher Entwicklung des Einzelnen. Ihr Verlust oder die Angst davor wird als Heimweh empfunden."
-----

Wer am Leben hängt, die Welt als seine Heimat auffaßt, dem kommt sie erst durch den Tod abhanden, egal wo er sich aufhält. Die Architektur seiner Heimat befindet sich dann in Dubai genauso wie in Nepal oder Bayern.

Heimatliche Grüße

VUB
Verfasst am: 01. 03. 2010 [12:16]
LieseMüller
Dabei seit: 07.08.2009
Beiträge: 45
Hui, das ist ja viel Information auf einmal. Ich denke, regionale Architektur ist einfach der Trend dagegen, dass ales gleich aussieht. Anstatt aber nur zurück zu schauen wird oftmals Geschichte, oder auch Tradition mit Zeitgeist vermischt. Sehr gut ist das wohl gelungen mit dem Projekt "Birg mich, Cilli", das den Architekturpreis des BDA Bayern bekommen hat. http://www.urbnet.de/images/cilli.pdf

Daraus habe ich folgendes Zitat von Jutta Görlich gefundn, dass ganz gut beschreibt, worum es geht: „Eine TIPTOP-Jodelhüttenrenovierung für mein altes Bauernhaus kommt
für mich nicht in Frage. Ich möchte, dass das Flickwerkhafte,
Angestückelte des alten Hauses sichtbar bleibt...man soll die
Stellen sehen, wo es sich dehnen musste, wo es mit den Bedürfnissen
der Bewohner wachsen musste...so ist in dem Gebäude auch seine
Geschichte noch gut ablesbar, an den Schichten abblätternder Farbe,
an unterschiedlichen Mauerstärken, die unterschiedliche Bauphasen
markieren, an uralten Stromleitungen, am Futtertrog im Stall....
Deshalb ist eine Renovierung im herkömmlichen Sinne für mich
undenkbar, bei der Schichten von Wärmedämmung, Farbe und Putz
den Bestand verändern und vom tatsächlichen Haus nur sehr wenig
übrigbleibt.
Das Klima im Haus darf sich nicht komplett verändern, es soll
ländlich bleiben und nicht städtisch mit Bayerwaldfolklore.“ Jutta Görlich

Mir scheint dies eine andere Art von Denkmalschutz. Spuren die hinterlassen wurden, sollen nicht verwischt oder vertuscht, sondern zeitgenössisch inszeniert werden.
Verfasst am: 01. 03. 2010 [12:29]
Archar
Dabei seit: 03.08.2009
Beiträge: 34
In fast allen Lebensbereichen ist der Trend zur Regionalität deutlich. Vielleicht liegt das daran, dass der globale Markt und die aktuelle Politik die Menschen verwirrt und sie deshalb zum Schutz lieber auf Dinge zurückgreifen, die sie kennen. Im Biedermeier hieß das Motto "Zurück ins heimische Idyll" und wahrscheinlich war die Situation damals ähnlich der heutigen. Zum Biedermeier ist bei wikipedia zu finden: "...denkt man heute unter diesen Begriff eher an eine behagliche Wohnkultur und eine Atmosphäre privater Gemütlichkeit. Außerdem als gesellschaftliche Ruhephase vor der Umwälzung und als Reaktion auf staatliche Kontrolle und Zensur."
Verfasst am: 16. 09. 2010 [09:38]
david rice
Dabei seit: 16.09.2010
Beiträge: 1
wenn ich weiter weg war und nach hause fahre fühle ich mich ab dem moment heimisch wenn ich den nürnberger bahnhof passiere. oder aus der anderen richtung die silouette von erlangen erkennen kann icon_smile.gif
heimat ist ein gefühl. hier kenne ich mich aus!

Dateianhang

2.jpg (Typ: image/jpeg, Größe: 587.51 Kilobytes) — 63 mal heruntergeladen



Detail, 21.05.12
  
Most Wanted:

GRUNDRISS

User Community:

Wer ist Online: 0 User

Registrierte User: 4204

Die drei neuesten Mitglieder

ronja
F.kühnel
wala

Noch kein Mitglied?

Jetzt anmelden!

Jetzt Angebote sichern:

Exklusive DETAIL-Angebote für Studenten

Detail Shop
Die Top 5 bestseller:
  1. 1. Holzbau Atlas Studentenpreis
  2. 2. Atlas Sanierung Studentenpreis
  3. 3. Der neue Architekt
  4. 4. DETAIL Praxis Digitale Prozesse
  5. 5. Taschenhandbuch Baupraxis

Zum Shop