Aufschieberitis - Antworten auf deine Fragen

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Aufschieberitis - Antworten auf deine Fragen

Aufschieberitis - Antworten auf deine Fragen

Dipl. Psych. Thomas Rigotti von der Universität Leipzig, Fachbereich Arbeits- und Organisationspsychologie hat uns zum Thema „Aufschieberitis“ einige Fragen beantwortet, die Euch bestimmt brennend interessieren werden.



1. Architekturstudenten bevorzugen oftmals die „Auf-den-letzten-Drücker“-Methode.


In der Fachsprache wird die "Auf-den-letzten-Drücker"-Methode auch als Prokrastination (oder Neudeutsch: Aufschieberitis) bezeichnet. Allerdings  kann dies im Extremfall auch dazu führen, dass Aufgaben gar nicht mehr erledigt werden. Die meisten Studierenden bekommen jedoch noch eine "Punktlandung" hin. Ein besseres Selbst- und Zeitmanagement kann allerdings den Stress reduzieren und die Leistung verbessern helfen.
 
Studien konnten zeigen, dass Studierende, die kontinuierlich arbeiten, zu Beginn des Semesters zwar über (leicht) höheren Stress berichten, jedoch bei weitem von jenen übertroffen werden, die am Ende des Semesters geballt alles auf einmal machen.


 
Welche Gründe hat die Aufschieberitis?:


(1) Das Vergessen von Vorhaben: Weil viele kurzfristige Aufgaben unsere Aufmerksamkeit beanspruchen, stellen wir manchmal mit Erschrecken fest, dass es ja nur noch 5 Tage bis zur Abgabe der Seminararbeit sind.
 
(2) Die Abwertung zukünftiger Ergebnisse: Generell neigen wir alle dazu schnelle Belohnungen unseres Verhaltens späteren vorzuziehen (So würden sich die meisten dafür entscheiden lieber sofort 100 Euro, als 110 Euro in einem halben Jahr zu bekommen). Bei Prüfungen oder Seminararbeiten ist es dann eben das Bierchen am Abend, der Kinobesuch oder der Badesee, die eine nähere "Belohnung" darstellen.

(3) Wir neigen dazu den Arbeitsaufwand für eine bestimmte Aufgabe / Prüfung zu unterschätzen, weil wir ein idealisiertes Bild unserer eigenen Arbeitsdisziplin haben.

2. Welche Unterschiede gibt es daneben noch klassischerweise bei den
Studenten?

In der Persönlichkeitspsychologie wird das sogenannte Modell der "Big Five" zur Beschreibung von Persönlichkeitseigenschaften verwendet. Dazu gehören die folgenden Eigenschaften: Extraversion, Offenheit (für neue Erfahrungen), Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus und Verträglichkeit.

Die wichtigst Beschreibungsdimension für das Arbeitsverhalten ist dabei sicherlich die Gewissenhaftigkeit (z.B. "Ich arbeite hart um meine Ziele zu erreichen"). Bei Extremausprägungen kann es allerdings auch sein, dass der nötige Pragmatismus abhanden kommt und Aufgaben nicht abgeschlossen werden können, weil sie nie den eigenen hohen Ansprüchen genügen.

Sind sie ängstlich, leicht reizbar, sozial befangen? Dann haben Sie hohe Werte in der Beschreibungsdimension Neurotizismus. Die Angst vor der Prüfung stellt dann vermutlich die größte Herausforderung dar. Menschen mit hoher Verträglichkeit kann es eher passieren, dass sie ihren Freunden in der letzten Nacht noch helfen Bauteile auszusägen.

3. Und welche Tipps würden Sie den Studenten geben, um ein Durcharbeiten in der Nacht beim nächsten Semesterende zu vermeiden? Wie können die Studenten  es im nächsten Semester besser machen und damit effizienter Arbeiten?

(1) Formulieren Sie (Teil-)ziele: Jedes Handeln beginnt mit Zielen. In Unternehmen werden daher häufig Zielvereinbarungsgespräche zur Mitarbeitermotivation eingesetzt. Als Student/in sind sie ihr eigener Unternehmer – also setzen sie sich am besten selbst Ziele, teilen Sie diese ihrer Umwelt mit und belohnen Sie sich selbst für das erreichen von Zielen!Ziele sollten SMART formuliert werden:

S pezifisch (also nicht "ich möchte mein Zeitmanagement verbessern", sondern z.B. "bei der nächsten anstehenden Projektarbeit fange ich drei Wochen vorher an"

M essbar: Die Erreichung der Ziele sollte durch ein klares objektives Feedback

A (nfordernd): Die Ziele sollten schwierig sein, aber auch realistisch

R (elevant): Die Ziele sollten für Sie persönlich auch wichtig sein

T ime frame (Ziele sollten in einem überschaubaren Zeitrahmen erreicht werden können)

(2) Machen Sie einen Arbeitsplan und To-Do-ListenEin Arbeitsplan und Aufgabenlisten entlasten das Gedächntnis und helfen bei der Selbtsdisziplinierung. Ein Anfang kann es sein, To-Do-Listen zu führen. Sie werden sehen: das Durchstreichen erledigter Aufgaben macht Spass!

(3) Etablieren Sie RoutinenReservieren Sie einen bestimmten Zeitraum in der Woche zum Lesen von Fachtexten, zum zeichnen von Entwürfen, etc.

(4) Bilden Sie Lern- und ArbeitsgruppenSitzt man nach einer langen Nacht und erfolgreicher Abgabe am Abend mit Freunden zusammen, dann wird die Abgabe auf den letzten Drücker oft zur Heldengeschichte – und man übertrifft sich gegenseitig in Anekdoten über Computerabstürze, Druckerausfälle oder bei Architekturmodellen auch erdbebenartigen Zusammenbrüchen – und holt sich gleichzeitig dabei die soziale Anerkennung für dieses Verhalten.

Mal ehrlich: Ganz ohne solche Anekdoten wäre das Studium im Rückblick doch auch langweilig. Lassen Sie aber die Aufschieberitis dennoch nicht zur Routine werden – mit einem verbesserten Zeit- und Selbstmanagement hat man langfristig auch mehr Zeit für die angenehmen Seiten des Lebens. 

Wie wäre es wenn Sie sich für die nächste Abgabe in einer Gruppe zusammen schließen – gemeinsam rechtzeitig Etappen vereinbaren und sich gegenseitig für die Entwürfe, Modelle und Ideen Feedback geben? Das Arbeiten in der Gruppe macht nicht nur Spaß, Sie können auch gegenseitig voneinander profitieren und haben gleichzeitiges ein soziales "Kontrollgremium".

Die Redaktion von Detail X bedankt sich bei Dipl. Psych. Thomas Rigotti für die hilfreichen Antworten.

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