Rolli als Requisit

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Rolli als Requisit

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Martin Schmitt, Ken Beheim-Schwarzbach und Benjamin Koziczinski haben mit Ihrem Film über die Liebe zum Detail den DETAIL Creative Award gewonnen. Wir haben Benjamin Koziczinski nach Hintergründen zum DETAILLiebe Film befragt.  

Sie haben den DETAIL Creative Award gewonnen. Wer hat Ihnen die freudige Nachricht überbracht?Welche Gedanken gingen Ihnen als erstes durch den Kopf?
Herr Hagedorn hat sich bei Martin Schmitt gemeldet und der hat mich dann gleich angerufen. Wir haben gleich eine Telefonkette gestartet. Zunächst war natürlich erstmal eine große Freude, vor allem weil wir zwar natürlich gehofft hatten den Preis zu bekommen aber nicht wirklich damit rechen konnten. Die Zweifel blieben bis zum Schluss.

Mit welchem Bauchgefühl haben Sie denn den Film eingereicht?
Also wir fanden es sehr amüsant, konnten aber überhaupt nicht abschätzen, wie es den Leuten gefällt. Wir wären also schon froh gewesen unter die ersten fünf zu kommen. Und die Leute die sonst beim animago Award mitmachen sind zwar in einer ganz anderen Kategorie, aber zumeist auch ein anderes Kaliber.

Sie sind zwei Architekten und ein Regisseur. Wie gehören sie zusammen?
Wir sind alle Freunde. Ken Beheim-Schwarzbach und ich kennen uns von der Arbeit im Büro von Francis Kéré.

Und wie sind sie auf den DETAIL Creativ Award aufmerksam geworden?
Wer hat es forciert mitzumachen?

Ken Beheim-Schwarzbach hat es forciert. Er ist eher mit Visualisierungen befasst und er hat beim animago mit Stills mitgemacht. Martin Schmitt kannte den animago aus seiner Branche, aus dem Werbe- und Musikvideo-Bereich. Dadurch das Ken mitgemacht hat, wurde er auch auf den DETAIL Creative Award aufmerksam. Er hat es uns erzählt und wir haben beschlossen einfach mal mitzumachen.

Wofür steht für Sie die Marke DETAIL?
DETAIL ist sozusagen das non-plus-ultra unter den Architekturzeitschriften und das denke ich gilt auch europaweit.

Wie entstand die Idee?
Wir sind zwei Architekten und ein Musikvideoregisseur. Bei uns beiden Architekten kam natürlich alles was man als Architekt mag und nicht mag, auch im Zusammenhang mit DETAIL in den Kopf. Die Hauptsache war, dass die DETAIL in Architekturkreisen gehandelt wird, wie in anderen Kreisen vielleicht ein erotisierendes Objekt oder ein Fetisch. Die ganzen Detailzeichnungen von Architekturbüros sind zu sehen, also diese Dinge kamen uns in den Kopf. Wir hatten dann so acht bis 10 erste Ideen und haben uns an der Aufgabenstellung entlang gehangelt. Dann ging es halt darum, was sich in kurzer Zeit und mit unserem möglichen Aufwand umsetzen lässt. Bei allen Überlegungen hat sich dann dieser Plot herauskristallisiert, der nun den Film ausmacht.

Gibt es da irgendwelche Erfahrungswerte?
Ja klar, als Architekt wird man darauf getrimmt auf das Detail zu achten. Wir sind keine fertigen Architekten sondern werden in den nächsten Monaten mit unseren Diplomarbeiten an der TU Berlin fertig. Einerseits ist das Planerische enorm wichtig, aber später ist dann auch die Haptik ein großes Architekturelement. Also auch die Umsetzung zu fühlen und auch so zu erfahren. Ich finde, dass man Architekten immer daran erkennen kann, das sie in neuen Gebäuden erstmal die Fugen oder so etwas in der Richtung erstmal anfassen. Das war sozusagen kombiniert mit der Überhöhung der DETAIL und des Materialfetischismus.

Was spielte bei der Planung eine Rolle?
Das Budget und daran anschließend die ganz Umsetzbarkeit. Wir sind unsere favorisierten Kulissen in Berlin drei Stunden lang durchgegangen und haben dann alles Guerilla-Style geschossen.

Wo haben Sie denn gedreht und warum an diesen Orten?
Für die Hauptaufnahmen waren wir einen Tag lang in Berlin unterwegs. Wir waren zum Beispiel im Deutschen Historischen Museum von Leoh Ming Pei, beim Libeskindbau, am Potsdamer Platz, auf dem Botschaftsgelände, am Lehrter Bahnhof, alles wo zumeist wirklich Technik und feine Material-Auswahl dargestellt wird. Da sind wir hingegangen und haben dann so weit wie möglich gedreht, wenn wir nicht von den Sicherheitsdiensten hinaus gebeten wurden.

Wie lange waren sie für den Dreh unterwegs?
Wir waren so etwa 12 Stunden unterwegs bis es dunkel wurde.

Und die Postproduktion? Wie viel Aufwand bedeutete die?
Ein Tag Sound. Die Musik haben wir extra eingespielt, das war so ein Tag. Das Schneiden und die Farbkorrektur haben dann auch noch mal etwa einen Tag gebraucht.

Da war es sicherlich gut, dass sie einen Regisseur im Team hatten, oder?
Ja, genau. Martin Schmitt hat natürlich sein Netzwerk und wir aber auch. In unserem Freundeskreis sind zum Beispiel auch Leute die Ton und Musik machen, so konnten wir gescheit nachproduzieren. Martin Gleitze ist Musiker und Tonmeister. Er hat sich um die Vertonung gekümmert und dank ihm haben wir diesen tollen Sound.

Wer ist eigentlich der Hauptdarsteller?
Das bin ich. Da haben wir uns nicht lange aufgehalten mit der Suche. Als Requisiten haben wir nur noch einen schwarzen Rollkragen-Pullover und eine Hornbrille mitgenommen.

Ausblick: Wie sieht jetzt die Zukunft aus, nach dem Sie den Preis gewonnen haben? Geht nun jeder wieder seiner Wege oder kommt da noch mehr?
Nein, nein. Wir würden natürlich gerne weiter solche Projekte machen. Wir haben gemerkt, dass es ganz gut in unserem Team klappt. Der Herr Schmitt ist ja, wie gesagt in der Werbe- und Musikbranche tätig wird sich da vielleicht noch was ergeben. Es steht aber nichts Konkretes an, aber es gibt einige Ideen, wir sind für alles offen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Detail, 07.02.12
  
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