Im Rahmen unseres Februar-Magazins "Ungewöhnliche Bauten - anders bauen" haben wir Architektin und Lehrbeauftragte Susanne Hofmann interviewt und vieles über die Arbeit der Baupiloten und das Projekt an sich erfahren.
Frau Hofmann, Sie sind Initiatorin der Baupiloten Berlin.
Was machen die Baupiloten und wie entstand die Idee die Baupiloten auf die Beine zu stellen?
2003 habe ich die Baupiloten aus dem Bedürfnis heraus Praxis und Lehre stärker miteinander zu verknüpfen gegründet. Ich hatte damals schon einige Jahre im In- und Ausland gelehrt und das Gefühl, egal wo ich auch war, dass es einen Split in der Lehre gab. Zum einen gab es die Träumer und Erfinder, die mit großen Visionen entworfen haben. Zum anderen gab es die, die sich vor allen Dingen um das Bauen bemüht haben und sich in technische Details vertieften, darüber aber oft die Architektur vergaßen.
Ich wollte, dass beides zusammenkommt. Dass man also sowohl Träume und Visionen haben soll, als aber auch wirklich etwas lösen muss, was dann real umgesetzt wird. Das war das eine. Auf der anderen Seite kam 2001 ein Projekt dazu, bei dem ein Hörsaal für die Freie Universität Berlin umgebaut werden sollte. Als Seminar gab es für meine Studierende nicht so viel her, aber ich dachte, wenn die sie es tatsächlich auch umsetzen könnten, dann wäre es ergiebig, ja geradezu ideal! Es wurde zu einem Projekt, das sie in weniger als zwei Semestern entworfen und umgesetzt haben. Das Projekt hat sich dann sogar so gut entwickelt, dass die Studierenden bis zur Ausführung dabei sein konnten. Es kam so gut an, dass sich das Qualitätsmanagement bei uns meldete und fragte, ob wir nicht auch mal in einer Schule etwas machen könnten. Sie hatten einen spannenden Auftrag und ich lernte die Schulleiterin kennen. Sie war von unserer Idee, auch die Schüler in den Entwurf und die Entwicklung mit einzubeziehen, so begeistert, dass dies schließlich der Auftakt war unseren Schwerpunkt in der Bildungsarchitektur zu setzen.
Da schließt sich auch gleich meine nächste Frage an. Oftmals machen sie Projekte und Bauten im Bereich der Bildungsarchitektur. Wie kommen Sie denn an ihre Bauherren und die spannenden Projekte heran?
Eigentlich machen erst wir die Projekte spannend. Der Bauherr hat zu Anfang ein Problem mit dem er auf uns zu kommt. Im Gespräch mit ihm entwickeln wir dann eine Strategie, wie wir dieses Problem lösen könnten und erleben oft Überraschungen dabei. Ein ganz gutes Beispiel dafür ist die KITA Taka-Tuka-Land. Da war die Fassade kaputt und sollte saniert werden. Der Bauherr hatte schon mal bei einem Architekten nachgefragt, unter welchen Umständen eine Holzfassade realisierbar wäre. Dies hätte natürlich das Budget gesprengt. Wir haben es noch mal nachgerechnet und mussten es bestätigen. Eine Holzfassade konnte aus Budgetgründen keine Lösung. Aber wir dachten, vielleicht fällt uns ja etwas anderes ein und so sind wir ganz anders mit der Sanierung umgegangen. Wir haben die schadhaften Stellen ausgebessert, manche Fassadenplatten ausgetauscht, oder gekürzt und mit einem Spritzwasserschutz gegen gearbeitet. Den hatte es zuvor dort gar nicht gegeben. Eigentlich war unsere Lösung eine total einfache. Jetzt ist das Gebäude geschützt und wir haben noch zusätzlich ein paar Highlights eingefügt. Die Fassade, die zum Garten hinzeigt ist jetzt bekletterbar. Und auch der Innenraum war uns wichtig. Wir wollten das Haus aufbrechen, also eine Verbindung von innen nach außen schaffen. Als wir das erste Mal in die KITA kamen, dachten wir schon, dass hier unbedingt auch im Innenraum etwas verändert werden musste. Das war zwar gar nicht vorgesehen, aber wir haben es schließlich so gut hingekriegt, dass nun nicht mehr 45, sondern gleich 75 Kinder in der Einrichtung sind. Mittlerweile gibt es sogar eine lange Warteliste. Da merkt man, dass es auch finanziell wirklich von Vorteil ist, wenn man eine Architektur schafft, in der sich die Menschen wohl fühlen.
Die Konstruktionen der Baupiloten, die ja auch auf der Webseite zu finden sind, scheinen durchaus oft kostspielig. Sind sie es auch wirklich?
Nein. Ich glaube sie sehen oft einfach kostspielig aus, weil die Studierenden gerade bei den kleineren Projekten, die sie realisieren, unglaublich viel Zeit und Liebe reinstecken. Sie detaillieren die ganz fein. Und hinzukommt, dass wir mit Handwerkern arbeiten, die selbst auch große Freude daran haben, solche Konstruktionen zu machen. Auch hierfür bietet sich als Beispiel die KITA Taka-Tuka-Land an. Die bekletterbare Fassade hat Netto nur etwa 6000 Euro gekostet und das ist wahnsinnig wenig. Der Zimmerer fand es sehr spannend die Konstruktion umzusetzen und sie war auch gar nicht so schwer durchzuführen, wie sie vielleicht wirkt. Es sind alles Dreiecke, die wir zusammengefügt haben. Wir konzipieren mit sehr vielen Toleranzen und versuchen immer auch die Handwerker so früh wie möglich einzubinden. Natürlich arbeiten wir vorzugsweise auch mit Handwerkern zusammen, die es spannend finden mit Studierenden zu arbeiten. Dadurch findet man eine Bauweise und einen Projektverlauf der allen liegt und große Vorteile birgt.
Kann es sein, dass vielleicht auch durch die ganz eigenen Ideen, Fantasien und individuellen Lösungen der angehenden Architekten, Handwerker und Nutzer, Außenräume, Innenräume oder auch Möblierung günstiger gehalten werden, als zum Beispiel Möblierungen oder Lösungen von der Stange?
Ja, in jedem Fall. Gerade Möbel aus dem Bildungsbereich kosten unglaublich viel Geld. Wir haben beim Projekt Taka-Tuka die Kosten relativ gering gehalten, weil wir Material auch recycled haben. Wände, die wir rausgenommen haben, konnten wir an anderer Stelle wieder verarbeiten und einbauen. Die Trockenbauer, mit denen wir zusammenarbeiten sind richtig gut und sie machen viele Projekte solcher Art mit uns. Wenn man Architektur realisiert, die mit dem Nutzer abgesprochen ist, wird sie sehr viel mehr wertgeschätzt und es werden auch tatsächlich nur die Sachen angeschafft oder gebaut, die die Menschen wollen und wirklich brauchen und die sie gerne nutzen. Auch damit kann man viel Geld sparen, denn oft werden auch Sachen angeschafft, die eigentlich gar keiner will, oder wirklich braucht.