Kürzlich war ich mal wieder in Budapest. Ich war zwar schon öfter da, aber es gibt immer wieder etwas zu entdecken. Richtig entspannen kann man sich also eigentlich nicht. Ich werde Euch von der Stadt und ihren Szenarien und über den Fachbereich für volkstümliche Architektur berichten. Da war ich nämlich bei Zsuzsa, Levente und Istvan zu Besuch und habe einiges erfahren.
Ich weiß nicht so recht, ob Budapest nun die klassisch schöne, die hier und da hässliche, die alte, die moderne oder die trendige oder traditionelle Stadt ist. Mir scheint es, als erfinde sie sich immer wieder neu. Es kommt auch ganz darauf an, wie man selbst aufgelegt ist und in welchem Viertel man unterwegs ist.
Highlights
Sehenswürdigkeiten gibt es wirklich viele in der Metropole. Alles, was das Architektenherz begehrt. Vom Mittelalter bis ins heute, könnt Ihr durch die Zeit reisen. Wer übrigens einen Mittelaltertag mit Brot und Spielen beschließen möchte, der sollte abends ins „Sir Lancelot“ gehen. Reservierung ist ratsam. Ich werde Euch nicht alle Highlights dieser Stadt aufzählen, die könnt Ihr in jedem Reiseführer nachlesen. Viel wichtiger ist es sich einen kurzen Überblick zu verschaffen und dann einfach loszuziehen. So nämlich findet man Orte, Bauten und Details die überraschen und verwundern. Auch ein Trip ins Umland kann Horizonte öffnen.
Tradition und Innovation
Mitunter können die Wechsel der Stadtansichten urplötzlich stattfinden. Man geht um die Ecke und sieht einer anderen Stadt ins Gesicht. Am Ostbahnhof, dem Budapest Keleti pályaudvar geht es schon los. Er wurde 1881-84 vom Architekten Gyula Rochlitz im Neorenaissancestil erbaut. Wenn man mit dem Zug fährt kommt man zumeist auch hier an. Direkt vor dem Bahnhof ist ein riesiges Loch. Hier wird derzeit die neue Metrolinie 4 gebaut. Die neue Linie soll vom Kelenföldi pályaudvar zum Bosnyák tér und zurück führen und etwa 14 Stationen haben. Die erste Metrolinie, die M1, ist übrigens nach Londons Underground die älteste unterirdische Metro. Sie ging 1896 an den Start, führt vom Vörösmarty tér zur Mexikói út und hat 11 Stationen.
Mehr zum Projekt der M4
Zum Mittelpunkt der Stadt
Kontrastreich geht es weiter, wenn man durch das Viertel zieht. Wie beinahe überall in Budapest treffen bonbonfarbene, sanierte Häuser auf Beinahe-Ruinen, die ihren ganz eigenen und einzigartigen Charme haben. An mancher Stelle finden sich rechts Einschusslöcher aus dem Krieg und links drängt sich eine zeitgenössische Glasfassade auf. Wer nicht laufen mag, der setzt sich einfach in einen der Busse mit Oberleitung, Trolli genannt, oder in die M2 in Richtung Déli pályaudvar. Das ist der nächste große Bahnhof. Wer vorher am Deák Ferenc Tér aussteigt, befindet sich mitten im Geschehen. Auch das Areal am Deák Ferenc Tér war einst ein Loch, nun ist es ein recht netter Platz zum verweilen mit Wasserstellen, Skatemöglichkeiten und Grünflächen, etwas Kunst im öffentlichen Raum und Stadtmöbeln. Von hier aus kann man ins wunderschöne jüdische Viertel schlendern, oder in der Fußgängerzone dem Shoppen fröhnen. Das Viertel nordöstlich des Deák Ferenc Tér ist ziemlich bunt und vielfältig. Hier gibt es ein paar kleine aber wirklich nette Läden und spannende architektonische Szenarien, getreu nach dem Motto: werden und vergehen.
Bis zum Heldenplatz
Im Osten schließt sich die Andrássy út an. Das ist Budapests Prachtstraße. Zuerst kann man sich bei Gucci und Prada die Klinke in die Hand geben, dann säumt ein Museum nach dem anderen, oder auch die Oper und die verfallene Ballettakademie den Weg. Ihr solltet also viel Zeit einplanen, sehr bequeme Schuhe anziehen und die Kreditkarte am besten gleich zu Hause lassen. Wer hart im nehmen ist sollte das Haus des Terrors besuchen. Die Stiftung für die Forschung Ost- und Mitteleuropäischer Geschichte und Gesellschaft kaufte das Gebäude, baute es um und gab ihm eine Art schwarzes Passepartout aus symbolischen Messerklingen als Dachüberstand. Scheint die Sonne, werden dadurch Schatten auf den Gehweg geworfen. Das Museum will an die Gewalttaten der Pfeilkreuzler erinnern und zeigt die Rolle des Staatssicherheitsdienstes während der kommunistischen Diktatur.
Plötzlich taucht zwischen all den klassiszistischen Fassaden ein vermeintlicher Dachparasit auf. Das Haus war früher die ungarische Zentrale der niederländischen Bank ING. Es wurde umgeplant von Erick van Egeraat, der gerade Pleite gegangen ist.
Hier geht's zu den Projektseiten von Egeraat
Stadtpark
Der Budapester Heldenplatz ist Anfang oder Ende der Andrássy út. Die Prachtstraße mündet hier in einer spektakulären Szenerie. Millenniums- und Heldendenkmal sind umgeben von einer Kolonnade. Rechts und links sind die Kunsthalle und das Museum der Bildenden Künste platziert, die immer wieder spannende Ausstellungen zu bieten haben. Wie der Königsplatz in München, war dieser Platz immer wieder Location historisch bedeutsamer Ereignisse. Hinter dem Heldenplatz befindet sich der wunderschöne Stadtpark. Hier laden Zirkus, Zoo, Spielplätze und große Freiflächen zu Erholung und zum Amusement ein.
Also, erstmal entspannen und diese ganzen Informationen und Impressionen verarbeiten.
Dann zum zweiten Teil weiterziehen
Tina Seyffert