Die Stadt ist für viele nicht einfach nur ein Lebensraum; sie bietet Chancen und gibt Möglichkeiten. Jeder Stadt hat ihren eigenen Charakter. Ein paar freie Gedanken zum Thema Stadt.

Bild: München 2009/Kai Kiklas
Die wachsende Stadt
Es tauchen immer wieder Millionenstädte in China auf, von denen bei uns noch nie jemand etwas gehört hat. Egal ob auf einmal geplant und aus dem Boden gestampft oder historisch gewachsen; unsere Städte werden immer größer. In Europa beschäftigt sich der Städtebau mehr mit dem Stadtumbau und der Flächenumnutzung, als mit groß angelegten Stadterweiterungen. Die Frage jedoch bleibt gleich, gibt es Grenzen für eine funktionierende Stadt? Kann eine Stadt zu groß sein um eine Stadt zu sein?
Abgesehen von der Versorgungsproblematik und des Verkehrs ist der Raum an sich problematisch. Funktioniert eine Stadt, wenn man mehrere Stunden braucht um bis an das andere Ende zu gelangen? Lange Strecken, Wege und Zeiten bestimmen schon den Alltag des Einwohners einer Millionenstadt. Wie ist es dann erst in einer 30 Millioneneinwohner Stadt. Ist dies überhaupt noch eine klassische Stadt in unserem Sinne, mit einem Stadtkern als Geschäfts- und Arbeitszentrum und drum herum Wohnviertel mit kleinen Zentren?
Zur Versorgung müssen Wasserrohre, Stromleitungen und Datenkabel in einem Netz von mehreren hundert Quadratkilometer sinnvoll verlegt sein. Kann so was überhaupt sinnvoll sein? Ein großes flächiges Stromnetz ist anfälliger für Störungen als kleine Netze, genauso stellt sich die Frage, ob die Qualität von Trinkwasser leidet, wenn es erst durch 300 km lange Leitungen fließen muss um beim Endverbraucher anzukommen.
Schwierig gestaltet sich auch die Versorgung mit Lebensmitteln. Könnte der kleine Dachgarten mit selbstangebautem Gemüse eine Lösung sein?
Eine Lösung für eine zu groß gewordene Stadt könnte das Ruhrgebiet sein. Die Metropole Ruhr.
Im Regionalverbund Ruhr RVR, der schon seit den 20er Jahren besteht wird über die Stadtgrenzen hinausgedacht. Insgesamt sind 53 Gemeinden und 11 Städte mit ca. 5,3 Millionen Bewohnern Teil des Verbundes. Ziel ist nicht die Schaffung einer einzigen großen Stadt, sondern ein sinnvolles Konzept zu entwickeln für das zukünftige Leben im Ruhrgebiet. Einzelne Zentren stärken und von Synergien profitieren.
mehr Infos zur Ruhrmetropole
Bild: komlex* /flickr
Die schrumpfende Stadt
Auf der anderen Seite wiederum gibt es Städte die schrumpfen. Wirtschaftlich oder kulturell arme Städte werden immer „kränker“. Diese Städte überaltern weil alle Jungen wegziehen, die Unternehmen meiden diese Städte weil sie dort keine Kaufkraft erwarten, leerstehende Häuser verfallen oder werden sogar zurück gebaut.
Bekanntestes Beispiel für den Rückbau von Häusern sind die Stadtvillen in Leinefelde. Dort wurden aus zurückgebauten Plattenbauten Stadtvillen.
Aber das Problem der schrumpfenden Städte ist kein Ostdeutsches Phänomen, weltweit gibt es schrumpfende Stadträume. So gab es in den vergangenen 50 Jahren haben etwa 370 Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern, die vorübergehend oder dauerhaft einen Bevölkerungsverlust von mehr als 10% hinnehmen mussten und noch weiterhin müssen.
Ein weiteres bekanntes Opfer der Tristes des Schrumpfens ist Detroit. Die amerikanische Großstadt verliert seit Jahrzehnten an Bevölkerung. Dies wird sich durch die Veränderungen auf dem Automobilmarkt noch verschärfen. Es stellt sich die Frage, was macht man mit diesen Städten? Ist ein Rückbau sinnvoll? Wenn ja, wie weit wird zurück gebaut? Wird immer mehr zurück gebaut, bis praktisch nichts mehr von einer Stadt vorhanden ist? Oder soll renoviert und restauriert werden, so dass glänzende Stadtfassaden entstehen obwohl die Stadt eigentlich schon längst tot ist.
Oder sollen diese Städte gleich ganz aufgegeben werden. Seit Jahrtausenden betreibt der Mensch Raubbau an der Natur. Flächen werden versiegelt, Schneisen durch Landschaften und Wälder geschlagen, ist es da nicht einmal an der Zeit ungenutzte Flächen der Natur zurück zu geben, ähnlich wie bei Tagebaufelder, die geflutet werden um Badeseen entstehen zu lassen.
Dies wäre auch eine interessante Studie für die Menschheit, wie schnell würde sich die Natur ihren Raum zurück erobern, falls es von einem Tag auf den anderen keine Menschen mehr auf diesem Planeten geben würde.
Mehr zum Thema schrumpfende Städte hier shirnkingcities
Zurück zum Phänomen Stadt
Kai Kiklas