Quo vadis Architekturlehre?

Ein System, das keines ist?

Bei unsereunis.de könnt Ihr sehen, an welchen Unis Aktionen und Besetzung laufen und welche Probleme dazu führten. Natürlich haben die Studierenden auch klare Forderungen formuliert.

In der derzeitigen Situation scheint es kaum möglich ein Architekturstudium in kürzerer Zeit hinreichend und gut abschließen zu können. Der Bachlor in Architektur scheint nichts wert. Masterplätze sind nicht für alle da und das Studium kostet sehr viel Geld. Hinzu kommt, dass für die Studierenden oft nicht sichtbar oder spürbar ist, wie und wo die Studiengebühren einfliessen. Die Hochschulen platzen oft aus allen Nähten und es gibt schon lange nicht mehr ausreichend studentische Arbeitsplätze, Räume und Lehrende. Unter dem Zeit- und Leistungsdruck leiden so viele, dass die psychosozialen Beratungsstellen ein Zulauf haben, wie noch nie. Bacheloritis könnte jedoch heilbar sein!

Vielen Dekanen, Studiengangsleitern oder auch Rektoren sind die Hände in einigen Punkten gebunden. Da gilt es, sich an die obersten Verantwortlichen, die Unterzeichner des Bologna-Reform zu wenden.

In anderen Punkten, wo Beweglichkeit an jeder Hochschule herrschen könnte, gilt es konkrete Forderungen an die Hochschulleitung, die Stadt und das Land zu richten.

Der erste Entwurf des Forderungskataloges, der am Wochenende beim internationalen Plenum für eine bessere Bildung entstanden ist, hat unter anderem die Forderungen:

Wir fordern von der Bologna Follow Up Group

  1. Wir fordern von den Unterzeichnerstaaten die Ausarbeitung nationaler Aktionspläne mit messbaren Zielen sowie eine Evaluation der Umsetzung in den Unterzeichnerstaaten und die Ausarbeitung von Sanktionsmaßnahmen bei Nicht-Einhaltung der Richtlinien in folgenden Bereichen: Antidiskriminierung, Chancengleichheit, Autonomie und Ausfinanzierung der Hochschulen, europäische Mobilität, Verständnis, Akzeptanz und Kritik europäischer Richtlinien, Implementierung des ECTS-Punktesystems (siehe Anhang).
  2. Wir fordern von den Unterzeichnerstaaten eine bindende Erklärung, dass Bildung frei von Gebühren und Beiträgen sein muss, um sie für alle sozio-ökonomischen Gruppen zugänglich zu machen.
  3. Wir fordern von den Unterzeichnerstaaten eine bindende Erklärung, die Rechte internationaler Studierender, Forschender und Lehrender zu schützen und den Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Bildung, Wissenschaft und Beratung zu garantieren.
  4. Wir fordern von den Unterzeichnerstaaten, die gleichberechtigte Mitbestimmung durch Studierende in der Bologna Follow Up Group.
  5. Wir fordern von den Unterzeichnerstaaten, eine bindende Erklärung abzugeben, dass die verschiedenen Vorgaben der Bologna-Erklärung gleichwertig behandelt werden.
  6. Wir fordern von den Unterzeichnerstaaten, eine bindende Erklärung abzugeben, dass die Umsetzung der Bologna-Erklärung bzw. der erarbeiteten nationalen Aktionspläne immer mit der gleichberechtigten Mitbestimmung der Studierenden stattfinden muss.
  7. Wir fordern von den Unterzeichnerstaaten eine bindende Erklärung, für jede/n BachelorstudentIn einen Masterstudienplatz zur Verfügung zu stellen.


Auch unter weiteren Themen, wie Antidiskriminierung in der Bildung, Demokratisierung der Bildung, Gegen eine Ökonomisierung der Bildung, Für eine selbstbestimmte, partizipatorische Lehre, Länderspezifische Forderungen, mit denen wir uns solidarisieren, werden weitere Punkte zusammengetragen, die Studierende in ganz Europa etwas angehen.


Masterfrage

Es sind Forderungen, die gerade für Architekturstudenten wichtig und zu unterstützen sind. Gerade Masterplätze sind in der Architektur Mangelware und das ist besonders dramatisch, da ja der Bachelor-Abschluß von den Kammern nicht anerkannt wird.

Kostenfrage

Das Masterstudium ist nicht kostenfrei. Zudem fallen Studiengebühren in jedem Semester an und jobben und sich Geld verdienen können Architekturstudenten, durch den enormen Zeit- und Leistungsdruck in den seltensten Fällen. Das war auch schon zu Zeiten des Diplomstudiengangs kaum machbar. Nun aber ist es geradezu unmöglich.

Auslandsjahr

Eine Möglichkeit die Wartezeit auf einen Masterstudienplatz für viele Architekturstudenten zu verkürzen, wäre ein Auslandsaufenthalt. Doch oftmals ist dies aus finanziellen Gründen nicht möglich und Stipendien und Förderprogramme sind nicht für alle vorhanden.

Ein Jahr im Architekturbüro

Die Zeit zwischen dem Bachelorabschluss und einem Masterstudium mit einem Praktikum im Architekturbüro zu überbrücken, ist keine schlechte Idee. Jedoch sind auch praktizierende Architekten ungern bereit Bachelor-Architekten in ihrem Team mit verantwortungsvollen Aufgaben zu betreuen. Auch sie sehen oftmals die Bachelor-Ausbildung als nicht hinreichend an.
Ein System, das keines ist, so scheint die Umsetzung des Bologna-Prozesses an den europäischen Hochschulen.

Die Frage bleibt: Wo geht es hin mit der Architekturlehre?

Schreibt uns Eure Forderungen und berichtet uns, welche Aktionen an Eurer Hochschule laufen. Entweder an detailx@detail.de, oder direkt als Blogbeitrag oder als Thema ins Forum.

Tina Seyffert

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Detail, 07.02.12
  
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