Architektur und Film

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Großstadtvisionen

Von Anfang an war Architektur für den Film ein prägendes Element. Architektur gestaltet die Kulisse, die Szene, gibt dem Zuschauer Aufschluss darüber wo und oft auch in welcher Zeit wir uns hier befinden. Umgekehrt hat die szenografische Fantasie von Regisseuren und Filmarchitekten immer wieder Einfluss auf Architekten und Städtebauer, wie auch auf Komponisten und Künstler  gehabt. Mit ihrer Hilfe sind hier und da neue Entwurfsideen entstanden und mancher Orts wurden sie so oder ähnlich vielleicht auch ausgeführt.

Wir haben für Euch einige Filme näher betrachtet, bei denen Architektur, Städtebau und Film eine spannende Liäson eingehen.

Der wohl älteste Film, bei dem man von einer solchen Liäson sprechen kann, ist "Metropolis"

„Metropolis“ ist ein Science-Fiction-Film des Regisseurs Fritz Lang aus dem Jahr 1927. Kaum einer nahm zur Premiere dieses Stummfilms von ihm Notiz. Das war fatal, war er doch der bis zu diesem Zeitpunkt in seiner Produktion der finanziell aufwendigste Film den es gab. Erst Jahre später bekam er allseits Aufmerksamkeit, wenn auch in einer Kurzfassung. Erst letztes Jahr tauchten in Buenos Aires weitere 30 Minuten Metropolis-Filmszenen und Sequenzen auf, die dann vielleicht die vollständige Fassung des Films ergeben. Derzeit werden die Filmrollen jedoch noch restauriert.

In einer riesigen geteilten Stadt

Auch heute ist die Vision Fritz Langs aktueller denn je, denn in der riesigen Stadt namens Metropolis sind die verschiedenen Einwohner nach ihrer jeweiligen Schicht, nach ihrem Stand in der Gesellschaft, völlig voneinander getrennt. Die Oberschicht genießt paradiesische Lebensverhältnisse und lebt in einem Amüsierviertel den vollen Glamour und die größte Dekadenz. In ihrem so genannten „Klub der Söhne“, treibt es die junge Elite im luxuriösen Wahnsinn ziemlich bunt. Gewöhnliche Arbeiter hingegen, leben nicht nur in einer unteren Schicht, sondern auch in der Stadt unter der Stadt. Die Stadt ist im Film also so zu sagen in "Hirn" und "Hände" gespalten. Die Arbeiter schuften, haben nicht einmal Namen, sondern Nummern, und erscheinen wie Sklaven der Oberschicht. Getseuert wird das Geschehen nicht von den oberen 10.000, denn in Metropolis gibt es eine Steuer- oder Überwachungszetrale. In diesem So genannten "neuen Turm zu Babel" zieht ein Gewisser Joh Fredersen die Strippen.

Dieses System gerät ins Wanken, als Joh Fredersens Sohn Freder auf Maria trifft. Er verliebt sich auf der Stelle in sie. Maria jedoch kommt aus der so genannten "Unterstadt". Als Freder nach ihr sucht, gerät er mit den Zuständen, in denen die Arbeiter leben und Metropolis dienen müssen, in Berührung. Eine Revolte kündigt sich an. Pläne von Freder und Maria werden vereitelt. Der Erfinder Rotwang soll auf Anweisung von Joh Fredersen Maschinen-Menschen entwickeln. Eine von ihnen soll aussehen wie Maria, damit Fredersen sich ihren Einfluss auf die Arbeiter zu Nutzemachen und einen möglichen Aufstand abwenden kann. Doch weil Rotwang mit Fredersen noch eine offene Rechnung hat, trifft genau das Gegenteil ein.

Die aufständigen Arbeiter stürmen die unterirdischen Fabriken und zerstören die so genannte "Herz-Maschine". Dann kommt es zur Katastrophe. Die Wohnquartiere der Arbeiter werden überflutet. Maria und Freder gelingt es die Kinder der Arbeiter zu retten. Sie bringen sie im Stadteil der "Söhne" unter. Als die Arbeiter realisieren was geschehen ist, machen sie Maria für die Katastrophe verantwortlich. Sie veranstalten eine regelrechte Hexenjagd, bei der die Maschinen-Maria auf dem Scheiterhaufen endet. Der Erfinder Rotwang verfällt dem Wahnsinn und bevor er die echte Maria töten kann, kommt Freder dazwischen.

Trotz allen Katastrophen, zum Schluss eine Art Happy End

Der Film ist hochpolitisch und seine Bedeutung erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Das Drehbuch und einen gleichnamigen Roman hat Thea von Harbou geschrieben. Regie führte Fritz Lang. Und während die politischen Aspekte von Thea Harbou stammen sollen, schien sich Fritz Lang in erster Linie für Technik und eben für die Architektur zu interessiert.

Die Architektur im Film

Metropolis besteht aus Wolkenkratzern, wie sie zur Zeit der Entstehung des Films bekannt waren. Eine parallele zum New York der späten 1920er Jahre ist offensichtlich. In den Häuserschluchten, die gezeigt werden, scheinen Straßen und auch Gleise wie eingepresst. Die Gebäude der dekadenten Oberschicht zeigen Prunk und Protz. Die Häuser und Quartiere der Arbeiter sind schlicht, dunkel, eng und beängstigend gestaltet. Gebäude wie zum Beispiel die Kathedrale erinnern an mittelalterliche Bauweise. So leugnen auch utopische Großstadtvisionen nicht die Geschichte.

Zuständig für die Gestalt von Metropolis, waren die Filmarchitekten Otto Hunte, Erich Kettelhut, Karl Vollbrecht und Walter Schultze-Mittendorf. Die vier waren zuständig für den Look der Stadt, für die Räume und deren Einrichtung, aber auch für Maschinenmenschen, Fahrzeuge und dergleichen. 

Metropolis gilt heute als ein Klassiker der expressionistischen Filmkunst, seine Zeitgenossen jedoch haben ihn nicht verstanden. Nach nur wenigen Vorführungen, stellte er sich damals als Flopp heraus.

Buchtipp: "Filmarchitektur, von Metropolis bis Blade Runner", Dietrich Neumann (Autor)

Tina Seyffert

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Detail, 07.02.12
  
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