Die Schönheit bzw. vielmehr die Ästhetik spielt heutzutage in der Architektur leider eine untergeordnete Rolle. Grund dafür ist nicht zuletzt die Globalisierung
Die Frage
Wir leben nicht mehr in einer Stadt oder in einem Land, wir reisen durch die Welt. Genauso stellt es sich auch übertragen auf die Architektur dar. Architekten bauen nicht mehr nur in Ihrer Umgebung, sondern haben oft internationale Aufträge. Das allerdings bringt Schwierigkeiten mit sich.
Kann ein europäischer Architekt, dessen Bauten hierzulande als ästhetisch und qualitativ empfunden werden auch in Asien bauen und dort die gleichen Reaktionen erfahren? Einmal ganz abgesehen von Ökologischen Aspekten, die es unabdingbar machen sollten sich mit der Umgebung mehr auseinander setzen zu müssen, treffen oft über Jahrhunderte alte entwickelte Bauformen, auf eine „Weltarchitektur“. Ökologische, soziologische Aspekte sowie politische und wirtschaftliche Formen prägen/prägten (?) Architektur. In Europa prägen vielerorts Schlösser die Landschaft, als Ausdruck von vergangener Herrschaftsformen. Oft auftretendes Hochwasser im Norden Vietnams führte dazu, dass sich Bambushütten entwickelten die auf Stelzen stehen. Und nun soll der gläserne Büroturm dies all außer acht lassen und überall als gute Architektur gelten? Egal ob in der Wüste, im Regenwald oder in Sibirien.
Die Wahrnehmung von schöner Architektur ist beeinflusst von der Umgebung in der wir leben. In Amerika neu entstehende Siedlungen sind teilweise so dicht bebaut, dass sich bei uns nicht nur Menschen, die sich mit Abstandsflächen auskennen fragen: Ist es diese Enge wert, nur um sagen zu können, man wohne im eigenen Haus, statt in einem Reihenhaus oder einem Wohnblock?
Menschen unterschiedlichster Herkunft sollen nun über Schönheit einer „Weltarchitektur“ urteilen. Ist es überhaupt möglich unterschiedliche Kulturen mit einer gemeinsamen Architektursprache zu verbinden?
Die Antwort
Die Antwort liegt in der „Weltarchitektur“. Doch wie sieht diese Weltarchitektur aus? Ist es möglich solch eine Architektursprache zu entwickeln die auf der ganzen Erde gleichwertig ist? Schönheitsempfinden ist geprägt durch Wertevorstellungen einer Gesellschaft, diese allerdings sind nicht überall gleich. Das Problem der Bewertung einer gemeinsamen ästhetischen Weltarchitektur, falls es so etwas braucht, ist noch nicht gelöst. Stattdessen werden Auswege gesucht um Architektur zu beurteilen. Dieser Ausweg, besteht leider nicht in der Qualität sondern in der Quantität oder der Superlative. Größer, Höher, Teurer, Schneller. Das sind die Dinge die heutzutage, die Architektur nicht nur beeinflussen sondern auch bewertbar machen. Ob ein Gebäude schön ist oder nicht, darüber gibt es selten Einigkeit, dagegen Höhenmeter miteinander zu vergleichen ist einfach. Das führt allerdings zu keiner guten Architektur! Sind wir zu faul, dass wir lieber „Maximumarchitektur“ schaffen statt qualitätsvolle Architektur oder beherrschen wir es schlicht und ergreifend nicht?
Bis diese Frage geklärt ist bleibt weiterhin die Superlative die Antwort auf die Frage nach einer weltweit gültigen Architekturbewertung.